Kategorien
Aktuelles Veranstaltungen 2020

Neue Aspekte der archaischen Münzprägung in Milet

Rudolf Hilbert, München.

Der Vortragende stellte neue Erkenntnisse zu der umfangreichen Elektronprägung von Milet aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. vor. Die Stempelstudie der Emission zeigt, dass sie in drei verschiedene Prägephasen unterteilt werden kann, die sich u. a. durch Änderungen in den Motiven der Rückseitenpunzen und durch den sukzessiven Wegfall einzelner Nominalstufen unterscheiden lassen. Zudem konnte über Stempelkoppelungen nachgewiesen werden, dass die bisher nach Mylasa gegebenen 1/48-Statere mit dem Skorpion auf der Rückseite in Milet geprägt wurden. Durch neuere Forschungen erscheint für den Beginn der Prägung ein früheres Datum, zwischen 620 und 600 v. Chr. wahrscheinlicher als das in dem Buch über die milesische Elektronprägung (Hilbert 2018) genannte Datum um 600 v. Chr. Anhand des erhöhten Emissionsvolumens in der zweiten Prägephase und des rapiden Abfalls in der nachfolgenden dritten Phase erschien es dem Vortragenden plausibel, das Ende der Phase 2 um das Jahr 546 v. Chr. und somit gleichzeitig mit dem Untergang des lydischen Reiches anzusetzen. Bei der Legierung der Münzen konnte im zeitlichen Verlauf eine Abnahme des Goldanteils zugunsten des Kupfers festgestellt werden. Darüber hinaus wurden auch technische Aspekte der Prägung behandelt. Die metallographische Untersuchung einer Hemihekte deutet darauf hin, dass der Schrötling aus der flüssigen Phase schnell abgekühlt wurde und die Prägung im kalten Zustand erfolgte. Missgeschicke während des Prägevorgangs (Stichwort ‘Leerschlag’) konnten an einzelnen Stateren nachgewiesen werden. Statistische Bemerkungen zur Stempelschätzung sowie zur Frage des Grades der Vollständigkeit des Münzcorpus (Stichwort ‘Coverage’) wurden kurz angesprochen. Anhand einer Grafik wurde das jährliche Aufkommen an neuen Münzen seit dem Jahr 1800 dargestellt. Schließlich wurde eine überschlagsmäßige Schätzung der Anzahl der insgesamt ausgegebenen Münzen pro Nominal abgegeben und der Wert dieser Münzen in ein zu der Zeit gültiges Silberäquivalent umgerechnet.