21. Februar 2017:

Am 21. Februar fand im großen Bibliothekssaal der Staatlichen Münzsammlung in München die diesjährige Generalversammlung der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft statt. Die gut besuchte Sitzung wurde vom Vorsitzenden, Kristian Nicol Worbs, geleitet, der einen Bericht über die Aktivitäten des Vereins im Jahre 2016 gab. Nach Berichten des Kassenvorstands und der Kassenprüfer wurde der gesamte Vorstand entlastet.

In Rahmen seines Tätigkeitsberichtes stellten der Vorsitzende und Christoph von Mosch den Entwurf einer neuen Medaille des Vereins vor, für die die BNG die international arbeitende und anerkannte Künstlerin Ulla M. Scholl gewinnen konnte. Frau Scholl, die gleichermaßen als Malerin, Graphikerin und Bildhauerin international tätig ist, hat für den Entwurf der Medaille sinnfällig auf eine von ihr geschaffene Bronzeplastik zurückgegriffen, die vor der Filiale der Bundesbank in München steht und den Titel ‹Balance› trägt. Der weibliche Torso trägt auf seinen Schultern eine an beiden Enden nach unten gekrümmte Stange, die den Betrachter an eine Wasserträgerin erinnert: Unweigerlich denkt man daran, wie schwierig es ist, bei einer schweren Last die ‹Balance› zu halten. Auf der Medaille der BNG hat die Künstlerin dieser schönen weiblichen Gestalt noch eine gegenläufige gekrümmte Linie unter ihre Füße gesetzt. Dies verleiht ihr, indem sie sich einer auf der Mondsichel stehenden Madonna annähert, einen Hauch von Transzendenz. Der Vorstand der BNG fand in dieser Medaille Aspekte der gegenwärtigen und auch zukünftigen Aufgaben der Gesellschaft reflektiert, insbesondere jene Schwierigkeit, in einer sich immer schneller wandelnden Welt mit ständig neuen Herausforderungen die Balance zu halten zwischen dem Bewahren guter alter Traditionen und den Zwängen, mit der Zeit zu gehen und neue Entwicklungen in das eigene Handeln zu integrieren. Beides in Harmonie zu bringen und zu halten, ist eine zentrale Aufgabe einer bedeutenden kulturellen Institution, wie es die BNG ist. Insbesondere ist sie für die Herausgabe der einzigen deutschen wissenschaftlichen numismatischen Zeitschrift mit internationaler Geltung verantwortlich, unterstützt gemäß ihrer Satzung die Veröffentlichung wissenschaftlicher wertvoller Publikationen und trägt zum harmonischen Miteinander von Sammlern, Wissenschaftlern und Münzhändlern bei. Gemäß Vorstandsbeschluss wird die Medaille in begrenzter Auflage in Bronze (120 nummerierte Exemplare zum Preis von 60 Euro) und in Silber (50 Exemplare) geprägt. Die Bronzeversion wird zum Verkauf stehen, die silberne Ausführung kann nur auf Vorstandsbeschluss für Verdienste um den Verein verliehen werden.

Einer der Höhepunkte der diesjährigen Generalversammlung war die Berufung von Professor Dr. Peter-Robert Franke in den Kreis der Ehrenmitglieder der BNG. Anlässlich des 90jährigen Geburtstags des Geehrten hatte der Vorstand der BNG beschlossen, ihn wegen seiner großen Verdienste um die Numismatik mit dieser selten verliehenen Auszeichnung zu ehren. Professor Franke ist seit 1988 Mitglieder der Gesellschaft. Er war Schüler des bedeutenden Althistorikers Helmut Berve und wurde 1955 an der Universität Erlangen mit einer Dissertation zum Thema ‹Alt-Epirus und das Königreich der Molosser› promoviert; 1961 habilitierte er sich mit einem grundlegenden Werk über die Münzen von Epirus. Nach beruflichen Stationen an der Münzsammlung in München und als Referent des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen wurde er 1967 auf den althistorischen Lehrstuhl in Saarbrücken berufen, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1994 innehatte. In dieser Zeit hat er viele deutsche und ausländische Schüler an die Numismatik herangeführt und in ihr ausgebildet. 17 Doktorarbeiten hat er betreut, 7 seiner Schüler bekleideten oder bekleiden noch heute Professuren. Professor Franke hat an der Herausgabe der Sylloge Nummorum Graecorum von Aulock mitgewirkt; unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen ist der Prachtband ‹Die griechische Münze› mit den exzellenten Photos von Max Hirmer die verbreiteteste und bekannteste.

Nach der Ehrung fand satzungsgemäß die Wahl des Vorstandes für die nächste Amtsperiode statt. Die Generalversammlung konstituierte folgenden Vorstand: Kristian Nicol Worbs als Vorsitzenden, Dr. Dietrich Klose als stellvertretenden Vorsitzender, Kay Loger als Kassenwart, Prof. Dr. Johannes Nollé als Schriftführer; als Beisitzer Peter Fleige, Dr. Andreas Pangerl, Gerd Jung, Wolfram Tillack und Dr. Christoph von Mosch.

Nach dem Abschluss der Generalversammlung hielt Professor Dr. Stefan Ritter, Ordinarius der Klassischen Archäologie an der Ludwig Maximilians-Universität München, einen grundlegenden Vortrag über das Thema «Bauten auf römischen Münzen: Identifikationsprobleme». Das wissenschaftliche Verdienst dieses Vortrags war es, methodische Klarheit über den Umgang mit Baudarstellungen auf römischen Münzen geschaffen zu haben. Nachdem Professor Ritter zahlreiche irrige Interpretationsansätze überzeugend zurückgewiesen hatte, zeigte er auf, dass vor der Verwendung derartiger Darstellungen für die Rekonstruktion antiker Bauten zunächst eine – nicht immer einfache – Klassifizierung in drei Klassen vorgenommen werden muss: 1. Gruppe: Baudarstellungen geben die wichtigsten Merkmale eines Baus naturalistisch wieder, soweit das bei der Kleinheit einer Münze möglich ist. In diesem Fall spielt der Bau eine zentrale Rolle. 2. Gruppe: Ein Bau wird nur summarisch oder abstrahiert kondensiert wiedergegeben und oft nur durch eine Legende identifizierbar gemacht. Sehr oft ist es nicht möglich, aus der Darstellung ein reales Bild von dem Bau zu gewinnen. In diesem Fall spielt der Bau nur eine Nebenrolle; meist geht es um die Bauaktivität eines Kaisers. 3. Gruppe: Architekturelemente dienen nur als Hintergrund von anderen Szenerien; es ist kein bestimmter Bau gemeint.
Mit einem Buffet und interessanten Gesprächen aller Teilnehmer miteinander endete die diesjährige Generalversammlung der BNG.

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