Vortrag von Dr. W. Günther, München: „Caligula, Milet und ein ehrgeiziges Kulturprojekt“

Nach ehrenvollem Gedenken an Dr. Baldus, der am 13. Juni 2011 unerwartet verstarb und Würdigung seiner Verdienste um die BNG – er war lange Jahre deren Vorsitzender -,

berichtete Herr Dr. Wolfgang Günther über „Caligula, Milet und ein ehrgeiziges Kultprojekt“. Dabei schilderte er den Wettlauf um die Kaiserkultehren der kleinasiatischen Städte in den ersten beiden Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung und dokumentierte einzelne Ereignisse dieses Geschehens mit Bronzemünzen der beteiligten Städte. Milet eröffnete den Wettstreit mit der Prägung einer Münze mit dem Bildnis Caligulas im Jahre 40 n. Chr. Der Weiterbau eines schon zu diesem Zeitpunkt 200 Jahre alten unfertigen Tempelbaus sollte mit diesem Kaiserkult durch Caligula erneut angeschoben werden. Antike Geschichtsschreiber unterstellten dem Kaiser Caesarenwahn und an seiner Vergottung zu arbeiten. Durch gefundene Epigraphen und deren Interpretation konnte der Referent diese Vorwürfe als unrichtig entkräften. Auch waren erste Anfänge des Kaiserkultes in Kleinasien bereits auf Augustus zurückzuführen. Mit der Ermordung Caligulas kam das Projekt schließlich wieder zum Stillstand, um zum Ende des 1. Jahrhunderts erneut aufzuflammen. Die mit dem Standort verbundene Prestigemacht drückte man nun durch eine Titulatur aus. Pergamon und Ephesos traten im 2. Jahrhundert in das Konkurrenzgerangel um den Kaiserkult und der damit verbundenen Titelsucht der Städte ein. Eine letzte Münze zu diesem Thema prägte schließlich Milet im Jahr 238 n.Chr. Ein eher letztes, kraftloses Aufflammen des Kaiserkultes. Der Tempel wurde nie vollendet!

Webseite: MedienDeZign GmbH