Am 23. September 2014 trug Frau Dr. Herta Schwarz, München, über „Neugriechische Münzen und Banknoten seit Otto I.“ vor. Nach einer kurzen historischen Einführung, bei der festgestellt wurde, dass Griechenenland bis zu seiner Befreiung von den Osmanen in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts nie über ein eigenständiges, nationales Staatsgebiet verfügte, wurde ein Überblick über die Chronologie der Münzpägung in der Neuzeit gegeben. Während die Münzen aus der Revolutionszeit Freiheitssymbole wie den dem Feuer entsteigenden Phönix zeigen, unterscheiden sich die Prägungen unter dem Wittelsbacher Otto in Stil und Form kaum von den damals in Europa kursierenden Münzen. Das blieb auch unter seinem Nachfolger Georg I. so. Ausnahmen bildeten die Prägungen während des Balkankrieges 1911/12, die mit ihren Reversdarstellungen mit Bezug auf die griechische Antike propagandistisch Gebietsansprüche manifestierten. In der 2. Republik werden Gebietsansprüche im Rahmen des Krieges gegen die Türkei in ähnlicher Weise durch Bezüge auf die Antike und Wiederholung des Phönix-Themas auf Münzen dargestellt. Während Paul I. weitgehend konservativ prägen ließ, weichen auf dem Revers der Münzen seines Nachfolgers Konstantin II. die anfänglichen Wappendarstellungen wieder dem Phönix. Die sog. „Obristenausgaben“ und die Hochzeitsmünze Konstantins bilden bemerkenswerte Ausnahmen. Letztere zeigt mit dem orthodoxen Doppeladler den einzigen numismatischen Bezug auf die für Griechenland so wichtige Orthodoxie. Die Münzmotive der dritten Republik beziehen sich wieder auf Antike und Freiheitskampf. Man blendet ca. 1000 Jahre Geschichte, nämlich die von Byzanz, einfach aus. Ein 100 Drachmen-Stück mit dem Bildnis von Alexander d. Großen dient während der Makedonienkrise Anfang der 1990er Jahre wieder der Propaganda und der Manifestierung von Gebietsansprüchen. Auch die Europrägungen beziehen sich nur auf Antike und Freiheitskampf. Eine wesentliche Klammer des griechischen Volkes, die Othodoxie, lassen sie einfach aus. So wenden sich diese Münzen genau wie die letzten Prägungen in Drachmenwährung nicht an die eigene Bevölkerung sondern an Europa, um zu propagieren, wo die Demokratie ihren Ursprung hatte. Leider entspricht das nicht dem Empfinden der griechischen Bevölkerung, die nie eine Vorstellung von einem funktionierenden Staatswesen hatte, dem man verpflichtet war. Auch heute rangieren der Klan, die Familie und die Religion weit vor staatlichen Forderungen. Ein informativer Vortrag mit hoch aktuellem Bezug

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