Konstantin Olbrich „Rule Britannia – zur Schiffsdarstellung auf Münzen Theodosius des Großen“

Es referierte Herr Konstantin Olbrich, ein engagierter Sammler und Kenner der spätantiken und byzantinischen Numismatik, über das Thema „Rule Britannia – zur Rolle Britanniens in der dynastischen Selbstdarstellung Theodosius des Großen“ vor über dreißig interessierten Personen.

Vor dem Hintergrund numismatischer Typentradition sowie einer spätrepublikanisch-kaiserzeitlichen Literatur, nach welcher Britannien neben Indien eine topisch herausgehobene Rolle für den römischen Weltherrschaftsanspruch zu spielen pflegte, erschließt sich aus Billonprägungen der östlichen Münzstätten der Beginn der dynastischen Propaganda Theodosius des Großen. Dieser ließ auf Maiorinen des Jahres 383 seinen wohl zeitgleich zum Staatsgott erhobenen Vater als Britannienfahrer darstellen. Dessen Siege auf der Insel scheinen als Hinweis auf die von der göttlichen Vorsehung bestimmte, künftige Herrschaft seiner Nachkommen propagiert worden zu sein. Deren Herrschaft wurde sodann durch das vertraute Mittel antiken Weltärendenkens zum Ergebnis göttlichen Wollens erklärt: Danach zeigte sich der Heilsplan der Gottheit darin, dass just nach Ablauf einer – zahlensymbolisch durch das Tau-Kreuz begründeten – Ära von 300 Jahren nach der ‚endgültigen’ Unterwerfung Britanniens durch Agricola im Jahr 83 der Enkel des Britanniensiegers Theodosius, Arcadius, 383 den Thron besteigen sollte. Die fehlende Übernahme der neuen östlichen Münzpropaganda durch Gratian bzw. ihre nur eingeschränkte Übernahme durch Valentinian II. im Westen zeigt, dass die damit vollzogene Dynastiegründung seitens des valentinianischen Kaiserhauses zurückgewiesen wurde. Magnus Maximus dürfte das daraus folgende, schwere Zerwürfnis zwischen West und Ost sowie die strittige Dynastiepropaganda seines angeblichen Verwandten Theodosius zur Umsetzung eigener Herrschaftspläne benutzt haben.

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