Vortrag von Hrn. Prof. Dr. Hubert Emmerig, Wien: “ Stammlande und Peripherie: Münzgeld im Karolingerreich“

Der bekannte Numismatiker Prof. Dr. Hubert Emmerig vom Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien zog mit seinem Vortrag „Stammlande und Peripherie: Münzgeld im Karolingerreich“ fast fünfzig Zuhörer an. Prominent unter ihnen waren Herr Künker jr. aus Osnabrück und Herr Wittenbrinck, der Schatzmeister der DNG. Unter Hinweis auf Parallelen zum heutigen Euro-Raum schilderte Prof. Emmerig die unmittelbaren Folgen der Münzreform von 793/94. Sie hatte für die anschließenden 100 Jahre ein einheitliches Aussehen der Denare und ein einheitliches Gewicht der Münzen zur Folge. Diese Reform dokumentiert ein starkes Interesse der Karolinger am Geld- und damit Wirtschaftswesen im Reich. Im frühen 9. Jahrh. verfügte Ludwig der Fromme über ca. 50 Münzstätten im Kerngebiet des Reiches. Großfunde von Münzen aus dieser Zeit belegen, dass die dort geprägten Münzen weitläufig umliefen und das Reich als ein Währungsgebiet zu betrachten ist. Die von den fränkischen Königen erlassenen Kapitularien bestätigen die Wichtigkeit des Geldwesens: von ca. 300 Kapitularien befassen sich ca. 30 mit dem Münzwesen, zwei von ihnen ausschließlich. Auch die Verfolgung von Falschmünzern ist ein Thema. Im Langobardenreich wurde die dort übliche goldene Tremissis zunächst übernommen, dann kopiert und ab ca. 785 durch Silberdenare ersetzt. Dieses kluge Vorgehen wurde für einzelne Gebiete sogar noch bewußt verzögert, um Verwerfungen im monetären Gefüge der Randbereiche des Reiches zu verhindern. Im bayerischen und österreichischen Raum existierte bis ins frühe 9. Jahrhundert mit Ausnahme von Wien keine Münzstätte. Die um 820 gegründete Münzstätte in Regensburg produzierte nur marginal. Die in diesen Gebieten nur geringe Geldpräsenz nährte sich mit Prägungen aus Italien und dem Zentrum des Frankenreiches. Nach einigen Ausführungen über die Bedeutung von Münzprivilegien zur damaligen Zeit, resümierte Prof. Emmerig, dass in der Karolingerzeit eine erhebliche Geldpräsenz festzustellen ist. Sie war an wirtschaftlicher Potenz gekoppelt. Die damalige Geldpolitik weist nicht unerhebliche Parallelen zur heutigen Geldpräsenz im Euroraum auf.

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