Am 19. März 2013 sprach der Althistoriker und Numismatiker Herr Prof. Dr. Peter Robert Franke aus München über „Die Griechenlandkarte des Rigas Pheraios von 1797 oder wie man mit antiken Münzen für ein freies Grossgriechenland wirbt“.

Der griechische Revolutionär und Schriftsteller, benannt nach dem antiken Namen seiner Geburtsstadt Velestino in Thessalien, war einer der Wegbereiter der griechischen Revolution von 1821, die zur Unabhängigkeit Griechenlands vom Osmanischen Reich führte. Für die osmanische Verwaltung in Konstantinopel und Bukarest arbeitend, begeisterte er sich, inspiriert durch die französische Revolution, für die Befreiung der Griechen und anderer Balkanvölker vom osmanischen Joch und propagierte ein freies Grossgriechenland. Er suchte Kontakt zu Griechen der Diaspora, sammelte von diesen Geld, verfasste, druckte und verteilte revolutionäre Schriften und Gedankengut. Er wurde schließlich im Jahre 1798 im österreichischen Triest verhaftet und an osmanische Behörden in Belgrad ausgeliefert, wo er 41-jährig hingerichtet wurde. Im heutigen Griechenenland wird Rigas als Nationalheld verehrt. Sein Konterfei ziert die griechische 10-Cent-Münze. Seine Statue steht vor der Athener Universität. Zu den von ihm verfassten Schriften gehört auch eine Griechenlandkarte aus dem Jahre 1797, die mit 1.200 Exemplaren aufgelegt wurde und in nur wenigen Exemplaren auf uns überkam. Sie umfaßt das Großgriechenland, das sich Rigas erträumte, also den gesamten Balkanraum südlich der Donau und die Gebiete der antiken griechischen Ostkolonisation. Auf in der Antike griechisch besiedelte Gebiete Italiens verzichtete er großzügig. Die Karte ist für Liebhaber der griechischen Antike ein Leckerbissen. Moderne und antike Namen kennzeichnen Orte, deren Vergangenheit und Begebenheiten teilweise in Kartuschen kunstvoll bildlich dargestellt werden. Wo die Realität versagte, wurde die Phantasie zu Hilfe genommen. Wie z.B. bei der Darstellung des Ortes Olympia, der erst wesentlich später ausgegraben wurde. Auf der Karte sind auch über 160 Wiedergaben antiker griechischer Münzen zu finden. Sie zeugen von den Orten und Landstrichen, in denen sie einst geprägt wurden. Allerdings nimmt es Rigas nicht so genau mit ihrer Darstellung. Prof. Franke wies nach, dass 20 % der dargestellten antiken Münzen frei erfunden, 30 % verfälscht, 20 % fehlerhaft und nur 30 % korrekt sind. Die propagandistische Wirkung der Karte hatte zweifelsfrei Vorrang. Ein interessanter und kurzweiliger Vortrag vor grossem Publikum!

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