Zur ersten Sitzung im neuen Jahr trug Herr Dr. Markus Wesche, Numismatiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, am 18.01.2011 zum Thema „Totengedenken für einen schönen Knaben, oder: Leben mit Medaillen in der italienischen Frührenaissance“ vor.

Dr. Wesche stellte dar, dass die Portraitmedaille in Italien seit den 1430er Jahren viele Wurzeln und Triebkräfte hatte. Dazu zählen Funde römischer Münzen, ein Hunger nach Portraitdarstellungen in den Niederlanden und in Italien und der Aufstieg selbstbewußter Landesherren resp. Mitglieder des hohen Klerus. Dies alles drängte nach Darstellung und Verewigung bedeutender Individuen. Dabei spannte Dr. Wesche den Bogen von Portraitdarstellungen auf Leinwand, über Fresken, den ersten Renaissancemedaillen, Münzen der Renaissance, bis hin zu Medaillondarstellungen in kostbaren Handschriften der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die ihre Vorbilder häufig bei Portraits auf antiken Münzen suchten. Der Schwerpunkt der Ausführungen lag natürlich bei den Medaillen. Es wurde deren Entwicklung anhand einiger Beispiele dargestellt: das immer feiner werdende Zusammenspiel zwischen Avers und Revers der Medaillen, die an Bedeutung gewinnenden Umschriften bis hin zur „sprechenden“ Medaille und Stilmittel bedeutender Medailleure, die häufig aus der Zunft der Gold- und Silberschmiede kamen und somit Erfahrung im Umgang mit Metallen hatten. Ein besonderer Fall stellte dabei die Totenehrung für einen schönen jungen Pagen in Rom im Jahre 1474 dar, dem das vom Durchmesser her größte Exemplar aus dem ersten Jahrhundert der Medaille gewidmet wurde. Ein brillanter Vortrag mit schönen Illustrationen!

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