Der Sitzungsabend des 17.Juli 2012 hatte wieder die Antike zum Thema. Herr Prof. Dr. Wolfgang Kuhoff, Augsburg, sprach über das Thema „Zwischen Großmachtstellung und Krisenbewältigung – Aspekte der Münzpolitik des Kaisers Marcus Aurelius“ vor gut besuchtem Saal.

Der knapp zweistündige Vortrag begann mit der Schilderung der rund 33jährigen Herrschaft des Vorgängers Antoninus Pius, unter der das Imperium Romanum den Zenith seiner Macht erreichte. Es herrschte weitgehend Friede, sieht man von zwei kleineren Gebietserweiterungen und einigen lokal begrenzten Unruhen einmal ab. Bei seinem Tode im Jahre 161 stand sein Adoptivsohn Marcus Aurelius bereits seit 20 Jahren als Nachfolger fest. Er hatte ausreichend Zeit, sich auf die Regierungsgeschäfte vorzubereiten. Die Thronfolge wurde auf zahlreichen Münztypen dokumentiert. Auch seine Heirat mit Faustina wurde ausgiebig auf Münzen propagiert. Die Ernennung seines Adoptivbruders Lucius Verus zum gleichberechtigten Mitkaiser findet nicht nur in der statualen Darstellung ihren propagandistischen Niederschlag. Zahlreiche Münztypen propagieren die Doppelspitze des Imperiums durch die Darstellung sich die Hände reichender Augusti. Auch die Hochzeit des kaiserlichen Mitregenten mit Lucilla fand auf Münzen ihre Darstellung. Die friedliche Zeit seines Vorgängers konnte Marcus Aurelius jedoch nicht fortsetzen. Eine Lawine äußerer Bedrohungen brach sich Bahn, die mit den Parthern im Osten einsetzte und von den Vorstößen einer Koalition germanischer und nichtgermanischer Völkerstämme an der mittleren und unteren Donau fortgesetzt wurde. Gemeinhin werden diese Auseinandersetzungen mit dem Begriff „Markomannenkriege“ verbunden. In der Münzprägung des Marcus Aurelius und seines Mitregenten fanden diese z.T. verlustreichen Auseinandersetzungen ihren gebührenden Niederschlag. Nach dem Tod von Lucius Verus Anfang 169 wurden auch auf dieses Ereignis zahlreiche Münzen geschlagen, die den Toten zum Divus Verus erhoben. Mit der Darstellung ziviler Ereignisse auf Münzen wurde schließlich das auf eine Person geschrumpfte Kaisertum propagiert. Der Tod des Marcus Aurelius im März 180 findet natürlich auch seinen posthumen Niederschlag auf Münzen. Zur Münzprägung des Marcus Aurelius, deren Typen fast alle datierbar sind, läßt sich feststellen: die Beschwörung des dauerhaften Bestandes des Römerreiches trat in eine Wechselbeziehung zur Darstellung aktueller Vorgänge als dessen konkrete Ausformung.

Webseite: MedienDeZign GmbH