Herr Prof. Dr. Nollé machte am 16. April 2013 im Nachgang zur Generalversammlung der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft seinem Ruf wieder alle Ehre mit einem weiteren interessanten und kurzweiligen Vortrag über das „Bild des englischen Königstums im Spiegel der englischen Münzprägung“.

Bezogen auf die „milled coinage“ zeigen die britischen Münzen eine ununterbrochene, verkettete Reihe von Herrschern, auf dem Avers einmal nach rechts und einmals nach links schauend. Diese Abfolge ist bis Elizabeth I. nachvollziehbar. Dadurch entsteht der Eindruck einer ununterbrochenen Kontinuität der britischen Monarchie, was der historischen Realität so nicht entspricht. Die Herrscherdarstellungen auf den Avers richten sich nach der zeitlichen Mode, nach dynastischen Notwendigkeiten und Traditionen. Elizabeth II. läßt sich genau wie Elizabeth I. auf dem Coronation Chair darstellen, Victoria greift mit der Gothic-Crown auf mittelalterliche Vorbilder zurück und Georg III. läßt sich je nach Bedarf antikisierend oder absolutistisch darstellen. William III. oder Georg I. bevorzugten die letztgenannte Darstellung. Die lange Regierungszeit von Victoria drückt sich in jugendlichen bis hin zu trauernden Darstellungen nach Verlust ihres geliebten Gemahls aus. Ab dem 18. Jahrhundert wird die Welt zunehmend britisch: der Anspruch auf Seegeltung wird durch Münzen mit der Angabe der Herkunft ihres Rohstoffes (LIMA, VIGO) dokumentiert und mit Auf- und Ausbau des britischen Empires erscheinen zahlreiche Münzen für den Zahlungsverkehr in den überseeischen Gebieten. Auch die Mildtätigkeit der britischen Herrscher kommt seit 1622 mit der Ausbringung von Maundy-Sets nicht zu kurz. Es ist festzustellen, dass die Rituale der britischen Monarchie auch auf modernen Münzen vergangenheitsorientiert, historisch und historisierend wirken. Ihr Verständnis hängt zunehmend von der historischen Bildung der Bevölkerung ab, die aber im erforderlichen Maße nicht mehr gegeben ist. Damit zeigen sich Verwerfungen zwischen Monarchie und Volk, die einen vorsichtigen und besonnenen Umgang mit Traditionen erfordern.

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