Der Abend des 15. Mai 2012 stand wieder einem Thema aus der Antike zur Verfügung. Frau Dr. Hertha Schwarz, München, referierte zum Thema „Damastion in Illyrien“. Unter den münzprägenden Städten des 5. und 4. Jahrhunderts ist Damastion in Illyrien die große Unbekannte, da trotz ihrer umfangreichen Prägung zwischen 400 und 325 v. Chr. und ihrer Erwähnung in Strabons Geographie es bis heute nicht gelungen ist, den Ort zu lokalisieren. Das Standardwerk von John May über Münzen Damastions erschien im Jahre 1939. Aber auch dieser Autor interpretierte den antiken Geographen nicht im Zusammenhang. Aufgrund des Verlaufs historischer Ereignisse in der fraglichen Zeit, aufgrund einer ganzheitlichen Interpretation von Strabons Angaben und der Verwertung anderer antiker Quellen, kam Frau Dr. Hertha Schwarz schließlich zu dem Schluß, dass es sich bei dem antiken Lissos um Damastion handeln muss. Sicherlich wird diese These noch zu mancher Diskussion einladen

hier noch eine genauere Zusammenfassung dieses Vortrages:

Am 15. Mai 2012 referierte Frau Dr. Hertha Schwarz, München, über Damastion in Illyrien, das uns lange als die große Unbekannte unter den münzprägenden Städten des 5. und 4. Jh. v. Chr. erschien. Der Ort, für den die moderne Forschung an die 30 verschiedene Lokalisierungsvorschläge kennt, war, wie gezeigt werden konnte, keine illyrische Siedlung, sondern eine von Aigineten und Mendäern nach 431 v. Chr., spätestens jedoch 423 v. Chr. in Illyrien in der Nähe von Silberminen gegründete griechische Stadt. Diese lag auch nicht im Inneren des Balkanraumes, wie die meisten Forscher vermuteten, sondern direkt an der Küste in der Gegend von Lissos, dem heutigen Lezha in Nordalbanien, in dessen unmittelbarer Umgebung reiche Kupfer- und Erzlager vorhanden sind, aus denen auch Silber gewonnen wird. Einiges deutet sogar darauf hin, daß Damastion an der Stelle des antiken Lissos lag bzw. mit diesem identisch ist.
Die Lokalisierung Damastions an der illyrischen Küste sowie seine eindeutige Identifikation als griechische Gründung bleibt nicht ohne Auswirkung auf Datierung der umfangreichen Prägung der Stadt, die auf dem von J.M.F. May 1939 vorgelegten Corpus beruht. Der Beginn der Prägung dürfte wegen des Gründungsdatums nicht erst um 400/395 v. Chr. anzusetzen sein, wie es May vorschlägt, sondern wohl schon auf die Zeit um 430/425 v. Chr. Offen bleiben muß gegenwärtig aber noch, wie lange die Prägetätigkeit andauerte, denn Damastion dürfte als griechische Siedlung nicht von langer Dauer gewesen sein, da 404 v. Chr. die Insel Aigina wieder an ihre ursprünglichen Bewohner zurückgeben worden ist. Der Umfang der damastinischen Prägung macht aber deutlich, daß sie wohl weit über diesen Zeitpunkt angedauert haben muß. Allerdings erwecken bestimmte Merkmale eines Großteils der Damastion zugeschriebenen Münzen den Eindruck, keine griechische Prägung zu sein, sondern eher eine Barbarisierung von ursprünglich griechischen Münzen. Unter diesen Münzen sticht eine Tetradrachme heraus, deren Apollon-Bild auf der Vorderseite sich 1:1 auf einer Tetradrachme des paionischen Königs Patraos (ca. 335-315 v. Chr.) wiederfindet. Während die Untersuchungen zur Problematik der Datierung der Prägung und dem Verhältnis Paionien – Damastion noch andauern, läßt sich zu dieser Parallelität bereits jetzt sagen, daß sie den Einsatz von Punzen bei der Herstellung von Stempeln belegt, denn identisch ist nur das Apollon-Bild auf beiden Münzen, nicht aber der Perlkranz, womit es sich nicht um den gleichen Stempel handeln kann.

Näheres hierzu: H. Schwarz, Ein Beleg für den Einsatz von Punzen in der griechischen Münzprägung, Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 62, 2012 (in Vorbereitung).

Zu Damastion: H. Schwarz, Damastion in Illyrien I: Zur Lage und Geschichte einer griechischen Gründung im 5. Jh. v. Chr., Gephyra 7, 2010, 1-59.

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