Am 12. November 2011 referierte das Ehrenmitglied der BNG, Herr Prof. Dr. Wolfgang Hahn, Verfasser bekannter Kataloge zur bayerischen Numismatik, über das Thema „Die Münzpolitik des Vatikanstaates unter Pius XI. (1922-1939) und Pius XII. (1939-1958)“. Nach Abschaffung des alten Kirchenstaates durch den Einmarsch italienischer Truppen im Jahre 1870 gährte die „Kirchenfrage“ noch bis zum Abschluß der Lateranverträge im Jahre 1929. Eine Münzkonvention mit Italien folgte erst 1930, die den vatikanischen Münzen nach italienischen Münzfuß eine Umlauffähigkeit garantierte, wobei die Goldmünzen eine Sonderstellung genossen. Die erste Prägung vatikanischer Münzen erfolgte erst im Frühjahr 1931, allerdings mit der Jahreszahl 1929. Nach Darstellung der damaligen Münznominale und der Bedeutung der verwendeten Münzmetalle, ging der Referent auf die Ausgabepolitik ein, die auf Abonnenten, Pilger und Goldanleger abzielte. In den ersten fünf Jahren der Münzkonvention wurden für eine Million Lire Umlaufmünzen geprägt, danach folgte die jährliche Ausprägung von 800.000 Lire. Nach Antritt des Pontifikates durch Pius XII. hatte der Ausbruch des 2. Weltkrieges natürlich Einfluß auf die Münzausgaben. Der Vatikan konnte zwar weitere Münzen prägen, auch Goldemissionen tätigen, jedoch wurden die Silbermünzen durch Papiergeld ersetzt und die Bedeutung von Stahl als Münzmetall gewann zunehmend an Bedeutung. Die deutsche Besetzung Italiens unterbrach die Ausgabe von Umlaufmünzen, es wurden nur Jahrgangssätze in geringer Auflagenhöhe geprägt. Nach der italienischen Münzreform 1946 wurde die Münzkonvention weiterhin jährlich verlängert. Es wurden nun Umlaufmünzen im Wert von 100 Millionen Lire pro Jahr ausgeprägt. Die Ausgabe von Goldmünzen im Nominal von 100 Lire wurde bis 1959 beigebalten. Die Münzpolitik änderte sich unter Pius XII. nicht. Es wurde nicht nur weiterhin mit Sammlern und Anlegern spekuliert, sondern man beabsichtigte auch eine gewisse Präsenz vatikanischer Münzen im römischen Geldumlauf. Auch führte man repräsentative Funktionen aus der Zeit des alten Kirchenstaates fort. Zum Abschluß konnten zwei vatikanischen Jahrgangssätze (1929 und 1950) aus der Sammlung eines anwesenden Sammlers im Original betrachtet werden.

Webseite: MedienDeZign GmbH