Auf Anregung von Prof. Dr. Kellner arbeitet Herr Dr. Hubert Ruß, München z.Zt an einem weiteren, großen numismatischen Werk, das die mittelalterliche Münzprägung von Würzburg umfassend darstellen wird.

Am 12. April 2011 stellte Dr. Ruß vor über fünfzig Zuhören, darunter Prof. Dr.Kellner selbst und namhafte Vertreter der Fa. Künker aus Osnabrück, einen Zwischenstand seiner Arbeiten vor. Zunächst schilderte er in wesentlichen Zügen die Stadtgeschichte Würzburgs, die untrennbar mit der des Bistums Würzburg verwoben ist. Das drückt sich auch in den mittelalterlichen Münzprägungen aus. Von den Anfängen als königliche Münzstätte unter Ludwig d. Kind um 900 schilderte er die Emissionen der deutschen Könige bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts. Dabei wurden zahlreiche Münzfunde und Urkunden ausgewertet. Der Übergang zur bischöflichen Prägung erfolgte langsam in der ersten Hälfte des gleichen Jahrhunderts. Anonyme Denare Meginhards I. zeugen davon. Es wurden zahlreiche Denare mit unterschiedlichen Darstellungen und die Entwicklung der Legenden vorgestellt. Die Prägung von Denaren wechselt sich mit der Prägung von Halbbrakteaten und diese wiederum mit der von Denaren ab. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erscheinen auch Insignien der weltlichen Macht von Kirchenmännern auf den Prägungen. Und Anfang des 13. Jahrhunderts sind auf Münzen Würzburgs erstmals die Namen von Münzbeamten feststellbar. Es folgte eine Ikonographie Würzburger Pfennige nach 1250. Dabei erscheint erstmals der lateinische Name Würzburgs „Herbipolis“ auf Münzen. Nach der Schilderung von Pfenniggeld auf Würzburger Schlag und dessen Niedergang durch Verschlechterung des Feingehalts, umriß Dr. Ruß die neuen Münztypen mit Regierungsantritt von Gerhard von Schwarzburg am Ende des 14. Jahrhunderts. Es wurden Goldgulden, Halbgroschen, Pfennige und einseitige Pfennige geprägt. Während die Goldgulden singulär blieben, bekamen die Halbgroschen Vorbildfunktion für andere Münzstätten. Die Sammler dürfen auf die Herausgabe des Werkes von Dr. Hubert Ruß gespannt sein.

Anschließend holte Prof. Dr. Hans-Jörg Kellner seinen im Dezember 2010 aus Krankheitsgründen ausgefallenen Vortrag „Erinnerungen eines alten Münzfreundes“ nach. Dieser Vortrag ist als eine Reminiszenz an seine 75-jährige Mitgliedschaft in der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft zu werten.

Die Ungewöhnlichkeit dieser langen Mitgliedschaft muß nicht hervorgehoben werden. Bereits im Jahre 1936 trat der damalige Gymnasiast in die BNG ein. Zum einen wollte er die von den Nationalsozialisten verfügte Einziehung von in seinem Besitz befindlichen Goldmünzen verhindern, zum anderen trieb ihn aber auch ein echtes Interesse am Münzsammeln zu diesem Schritt. Er schilderte in dem ihm eigenen Humor seine ersten Kontakte zur Staatlichen Münzsammlung, zu den sie repräsentierenden Personen und schließlich seinen Eintritt in die BNG am 26.11.1936. Er war der „Benjamin“ im damaligen Kreise würdiger alter Herren, darunter so bekannte Namen wie Noss und Kress. Die Teilnahme an seiner ersten Generalversammlung der BNG am 09.12 1936 ist Prof. Dr. Kellner in sein Gedächtnis eingebrannt: nach hitziger Diskussion über aktuelle Themen schritt man zur (auch heute noch üblichen) Weihnachtsverlosung. Die mit allerlei Münzen gut gefüllten Beutel wurden verlost, von den würdigen alten Herren gesichtet, nach Entnahme einiger Münzen zusammengeschüttet und schließlich dem jüngsten Mitglied übergeben. Überreichlich zu Weihnachten beschenkt, konnte der Gymnasiast dann selig und beglückt nach Hause ziehen. Tempora mutantur! Die zufällige Erwerbung einer sassanidischen Drachme und das dadurch erweckte Interesse an diesem Gebiet gaben ihm eine Möglichkeit, im Februar 1938 zu diesem Thema in der BNG einen sogar in der Presse erwähnten Vortrag zu halten. Nach dem Abitur 1939 änderte sich das Leben des bis dahin sorgenfreien Schülers radikal. Es folgte die Einberufung zur Wehrmacht, Kriegsdienst vornehmlich an der Ostfront und schließlich russische Kriegsgefangenschaft bis Ende 1948. Trotz dieser Zeit gingen Kontakte zu bekannten Numismatikern und Sammlern nie verloren. Durch seine Kontakte zum damaligen Leiter der Staatlichen Münzsammlung in München wurde H.-J. Kellner zum Studium der Vor- und Frühgeschichte mit Nebenfach der Bayerischen Geschichte und der Numismatik animiert. Dieses Studium, seine Kontakte und die allerorts mit Begeisterung wieder aufgenommene Arbeit führten ihn schließlich auf einen beruflichen Weg, den man in der Rückschau als herausragend, erfüllend und anerkannt bewerten muß. Schon früh stellte Prof. Dr. Kellner internationale Kontakte und Freundschaften zur Förderung der Numismatik her. Bekannte Namen wie Peter Berghaus, Gert Hatz, Vera Jammer und Margildis Schlüter begleiteten ihn. Hervorzuheben sind u.a. seine Forschungen über keltiche Münzen anläßlich der Ausgrabungen in Manching. Die BNG unterstützte er immer nach Kräften, zeitweise war er deren erster Vorsitzender. In dieser Funktion steuerte er die Gesellschaft durch schwere Zeiten und bot ihr stets Heimat und Orientierung. Auch nach seiner Ruhestandsversetzung blieb Prof. Dr. Kellner ein unruhiger Geist mit zahlreichen Forschungsgebieten und Veröffentlichungen. Er hat sich um die Gesellschaft unsterblich verdient gemacht. Dafür gebührt ihm entsprechender Dank.

Webseite: MedienDeZign GmbH